Wias fria amol wor

Wias fria amol wor

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Inmitten der fleißigen Tirkntschurtschn-Schöler liegt Wochenmarkt-Chef Anton Dabernig, gebettet auf und „ausgestopft“ mit Tirknfedern.

Auguste Kohlweg, Obfrau der Bäuerinnen Trachtengruppe Feldkirchen, erinnert sich rund 50 Jahre zurück: „Vom Baby bis zur Uroma – alle haben damals auf Leinensäcken, gefüllt mit den getrockneten Schalen des Maiskolbens (Tirknfedern) geschlafen. Alle zwei Wochen haben wir sie raus genommen, auf der Wiese mit Wasser frisch gemacht, an der Sonne getrocknet und wieder in den Leinensack zurück gestopft.“

Altes Handwerk

Bei der Arbeit halfen Männer wie Frauen. „Zuerst wurden die Schalen der Maiskolben entfernt, bis auf ein paar Federn, die haben wir übriggelassen. Die Männer banden dann immer vier Maiskolben mittels den noch vorhandenen Federn zusammen. Im Anschluss hängten wir sie über eine Stange zum Trocknen auf. Dort hingen sie über Winter“, weiß Kohlweg. Erst dann wurden die Kolben mittels einer „Reibach“, einer speziellen Reibe, entkernt und in der Mühle zu Sterzmehl verarbeitet.

Der letzte Tschurtsch

Die bäuerlichen Arbeiten waren damals sehr aufwändig. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, war der Spaß immer dabei. „Beim Tirkn schöln haben wir die Federn ordentlich durchgeputzt. Nur die saubersten und schönsten wanderten in den Leinensack, der dann als Matratze diente. Das war zwar ziemlich aufwändig, aber auch lustig. Denn es ist Tradition, dass der, der den letzten Tschurtschn schölt, bestimmen darf, wer gefedert – also mit den Schalen des Maiskolbens ausgestopft – wird. Da haben wir oftmals unsere Tschurtschn versteckt, damit man ja der Letzte beim Schälen ist! Dann hat man sein „Opfer“, das man den ganzen Tag schon im Visier hatte, einfach gepackt, festgehalten und ausgestopft. Des wor a muats Gaude“, erinnert sich die Obfrau lachend zurück.

Dachschindln mochn

Wie altes Handwerk funktioniert, kann man am Wochenmarkt in Feldkirchen immer wieder bestaunen. Ob Palmbuschen binden, Besen binden oder – wie kürzlich – das Tirkntschurtschn schöln. Auch die Tradition des Dachschindln mochn soll nun wiederbelebt werden.

Bürgermeister Martin Treffner: „Die Wiederbelebung alter Handwerkstradition lässt ältere Besucher in Erinnerungen schwelgen. Jüngere und vor allem unsere Kinder und Jugendlichen können so erfahren, wie das Leben früher einmal war. Wie ein lebendig gewordenes Stückchen Heimatgeschichte. Wer will, kann auch gerne selbst mitarbeiten und sich im Handwerk probieren. Ob Palmbuschen binden, Besen binden, Tirkntschurtschn schöln oder bald auch das Dachschindln mochn – solche Aktionen bereiten Freude! Unser Wochenmarkt in Feldkirchen ist zwar stets gut besucht. Doch solch altes Handwerk zieht noch mehr Menschen in die Innenstadt. Für mehr Frequenz, mehr Stadtleben und eine gewinnbringende Wirtschaft.“

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