Warum wir Ostern feiern

Warum wir Ostern feiern

- in Interview, Kultur
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Im Gespräch mit Stadtpfarrer Bruder Wolfgang Gracher

Mit Feldkirchens Stadtpfarrer Bruder Wolfgang Gracher im Gespräch über Ostern & Bräuche.

Bruder Wolfgang, warum feiern wir Ostern und wo liegen die Wurzeln des Osterfestes?
Bruder Wolfgang: „Zu Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu und seinen Sieg über den Tod. In der bis heute jährlich stattfindenden Osterfeier wird das Geheimnis der Auferstehung Christi liturgisch in besonderer Weise gegenwärtig. Wie das alttestamentliche Paschafest, das an die Befreiung der Israeliten aus der Versklavung in Ägypten erinnert und wesentlich für das jüdische Selbstverständnis ist, ist die Auferstehung des gekreuzigten Jesus, das sogenannte Osterereignis, das entscheidende Datum für das christliche Selbstverständnis. An Ostern vollendet sich der im Weihnachtsfest angekündigte Heilsplan Gottes. Jesus Christus, der zu uns kam als das „Licht der Welt“ (Johannes 8,12), wird an Ostern zum Licht der Hoffnung. Die Lichtsymbolik spielt an Ostern eine ähnlich große Rolle wie an Weihnachten.“

In welchen Religionen wird Ostern gefeiert?
Bruder Wolfgang: „Ostern ist das zentrale Fest der Christen und wird in allen Konfessionen (kath., evangelisch, orthodox, koptisch, anglikanisch…) gefeiert.“

Warum dreht sich zu Ostern alles um die Ostereier?
Bruder Wolfgang: „Das Ei als Symbol für Fruchtbarkeit und Erneuerung passt zur Auferstehung, durch die neues Leben ermöglicht wird. Das Ei verweist auf die Hoffnung auf Auferstehung, ewiges und neues Leben, für dessen Werden die Schale durchbrochen wird. Dieses Durchbrechen der Eierschale wird zum Bild für den auferstandenen Christus.“

Und woher stammt der Brauch des Eierfärbens?
Bruder Wolfgang: „Seit dem 7./ 8. Jahrhundert galten Eier als flüssiges Fleisch und waren während der Fastenzeit verboten. Die Hühner hörten aber nicht auf, Eier zu legen. So wurden Eier gekocht, um sie haltbar zu machen. Bemalt oder mit farbigen Pflanzenstoffen gekocht wurden sie, um die gekochten von den rohen zu unterscheiden.“

Was hat es mit den Ostereier-Suche auf sich?
Bruder Wolfgang: „Es handelt es sich um eine kindgemäße Ausgestaltung des Festes: Suchen und finden bedeutet auch immer, etwas durch eigenes Bemühen und Schlauheit zu erwerben und dadurch die Freude am Geschenk zu vergrößern. Eier gab es ja durch das Eierfasten im Überschuss und die musste man wieder unter die Leute bringen. Ein ernster Hintergrund der Eierabgabe ist, dass Bauern vor Jahrhunderten damit ihren traditionellen Zins- und Abgabepflichten nachkommen mussten.“

Warum bringt der Hase die Eier?
Bruder Wolfgang: „Warum ausgerechnet der Hase zum Symboltier für Ostern wurde ist ungeklärt. Eine Theorie besagt, dass der Osterhase ein missratenes Osterlamm eines Bäckers sein soll. In der griechischen Mythologie ist der Hase allerdings das Tier der Liebesgöttin Aphrodite, er ist so wie das Ei ein Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit. Auch wegen seiner starken Vermehrung sehen manche in ihm ein Symbol für das Leben. In Byzanz war der Hase ein Symbol für Christus, den Auferstandenen. Der Hase hat keine Augenlider, er „schläft“ also nie – wie Christus, der niemals entschläft.“

Was symbolisiert eigentlich das Osterlamm?
Bruder Wolfgang: „Das Lamm ist Symbol für die Unschuld. Jesus Christus nimmt die Schuld und Sünde der Menschen auf sich und stirbt für die Menschen, um sie zu erlösen. Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Diese Symbolik vergegenwärtigen wir uns jedes Mal, wenn die Eucharistie gefeiert wird: Beim Brechen des Brotes nach dem Friedensgruß wird das „Agnus Dei“, „Lamm Gottes“, gebetet.“

Und die Wurzeln des Osterfeuers?
Bruder Wolfgang: „Bereits in vorchristlicher Zeit war es Brauch, Feuer zu entfachen, um die Sonne zu begrüßen. Das eigentliche Osterfeuer wird in der Osternacht am Beginn der Osterliturgie vor der Kirche entfacht und geweiht. An diesem Feuer wird die Osterkerze entzündet, die dann in die dunkle Kirche getragen wird. Dabei wird dreimal „Christus, das Licht Christi“ gesungen. Die „Brauchtumsosterfeuer“sind wohl eine Vermischung der germanischen Frühlingsfeuer mit der Lichtsymbolik der Osternacht. Früher einmal Weiterführung der Auferstehung ist es heute immer mehr ein Tun unabhängig vom religiösen Inhalt. Im besten Fall wird das entzünden des profanen Osterfeuers zeitlich abgestimmt mit der kirchlichen Feier.“

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