Warum es Qualitäts-Fleisch nicht zum Diskontpreis gibt

Warum es Qualitäts-Fleisch nicht zum Diskontpreis gibt

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Wenn der Tiefpreis lockt, fällt der Griff in die prall gefüllte Fleischvitrine leicht. Noch. Warum Qualität ihren Preis hat, mit welchen Tricks die Diskonter arbeiten und wo Bio tatsächlich besser ist, das erfahren Sie hier.

Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum es bspw. Preisunterschiede bei Extrawurst von bis zu 10 Euro das Kilo gibt? Robert Maierbrugger von BV Nockfleisch kennt die Antwort: „In einem Billigprodukt werden auch jene Teile verwendet, die bei einem qualitativ hochwertigen Produkt entsorgt werden würden.“ Die Rede ist von Sehnen, Bändern, Knorpeln und sogar Knochen.

Zusatzstoffe & Haltbarkeit
Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist, so merkwürdig es auch klingen mag, die geringere Haltbarkeit. Maierbrugger: „Ist eine geschnittene Wurst drei Monate haltbar, passt etwas nicht. Eine leichte Graufärbung der Wurst nach ca. 3 Tagen ist ein Zeichen für natürliche Inhaltsstoffe und somit für eine natürliche Produktionsweise! Hierbei wurden weniger Pöckelsalz oder Haltbarmacher als üblicherweise verwendet.“ Auch ein Blick auf die Zusatzstoffe zeigt auf: Statt Fleisch findet sich der Füller Stärke wieder. „Gerne wird Mais- oder Getreidestärke unter die Masse gemischt, um mehr Volumen zu erzeugen. Der Fleischgeschmack wird dann mit künstlichen Geschmacksverstärkern erzeugt“, informiert der Fachmann. Auch Zucker kommt mitunter zum Einsatz, um das Lebensmittel zu konservieren. Ein Qualitätsprodukt kommt gänzlich ohne Stärke und Geschmacksverstärker aus. Denn Fleisch besitzt einen charakteristischen Eigengeschmack, den man auch schmeckt, sofern bei der Wurstproduktion auch erstklassiges Fleisch verarbeitet wurde.

Produktionsaufwand
Auch die Produktionsbedingungen schlagen sich in Qualität und Preis nieder: So ist die Almhaltung arbeitstechnisch aufwendiger als die Stallhaltung. Dies beginnt beim Einzäunen der Weiden und reicht bis hin zum Viehauftrieb & -Abtrieb. Der geschmackliche wie qualitative Vorteil liegt jedoch auf der Hand: Saftige Weiden, frische Luft und gesunde Kräuter für das Vieh, das sich – so wie der Mensch – auf der Alm einfach wohlfühlt.

Antibiotika-Einsatz
Pute und Huhn zählen zu jenen Fleischsorten, bei deren Produktion es eher zu einem prophylaktischen Antibiotika Einsatz kommt. Der Grund ist simple: In der Massentierhaltung ist die Ansteckungsgefahr hoch und bei Ausbruch einer Krankheit der ganze Bestand gefährdet. Deshalb werden gerade in der Geflügelzucht Antibiotika prophylaktisch, also vorsorglich, eingesetzt. Derzeit muss dieser Einsatz noch nicht auf den Lebensmittel-Etiketten gekennzeichnet werden. Sie bleiben dem Konsumenten also verborgen. Auf Nummer sicher kann man hier nur gehen, wenn man Geflügel aus kleinen Beständen beziehungsweise zu Bio-Geflügel greift. Denn laut Bio-Statuten dürfen keine chemisch synthetischen Arzneimittel prophylaktisch eingesetzt werden. Einzige Ausnahme: Das Tier ist wirklich krank, wobei hier doppelte Wartezeiten einzuhalten sind.
Auch bei Milch, Eiern und Säften gilt, je unverarbeiteter, desto besser: Milch/Joghurt mit natürlichem Fettgehalt, Bio-Eier, gepresste Säfte statt Konzentrate.

Maierbrugger

Zwei Fragen an Robert Maierbrugger von BV Nockfleisch

Wer vor 25 Jahren beispielsweise mit 30 Stück Vieh noch als Vollerwerbsbauer über die Runden kam, kann heute nur mehr als Nebenerwerbsbauer tätig sein. Was hat das für Auswirkungen?
Sowohl für Nebenerwerbsbauern wie auch für Vollerwerbsbetriebe steigen Arbeitsaufwand und finanzieller Druck. Beide brauchen gute und teure Maschinen, um in möglichst kurzer Zeit ihre Arbeiten erledigen zu können. Zudem stehen unsere Landwirte immer mehr in Konkurrenz zu jenen in Gunstlagen (Anm.: produktionstechnisch günstiger gelegenen Gebieten wie Holland, Norddeutschland, Rumänien, Ungarn), wodurch eine Preisanhebung bei den erzeugten Produkten nur schwer möglich ist. Um hier noch mithalten und dabei noch etwas verdienen zu können, muss gerade bei Vollerwerbsbauern der Betrieb immer größer werden. Für viele Familien wird diese steigende Betriebsgröße zur Belastungsprobe.

Heimische Produkte brauchen also Wert(schätzung) damit sie Bestand haben. Reicht Regionalität aus?
Regionalität alleine, reicht heute nicht mehr aus. Das heften sich auch Konzerne auf ihre Flaggen. Wir von der „Bäuerlichen Vereinigung Nockfleisch“ versuchen unseren KundInnen zu zeigen, dass unser Regionalitätsgedanke weiter gefasst ist: Wir bieten gesunde Ernährung aus der Region, wobei unsere Produkte nicht nur von heimischen Bauern erzeugt, sondern auch von heimischen Fachkräften in der Region verarbeitet werden. Bei der Produktion setzen wir auf natürliche Inhaltsstoffe und verwenden keinerlei Geschmacksverstärker. Denn ein qualitativ hochwertiges Fleisch besitzt einen erstklassigen Eigengeschmack.

Rindsrouladen – Ein Rezept von Nockfleisch

Zutaten für 4 Personen:

4 Stk. Rindsschnitzel à ca. 180 – 200 gr. (am besten dünn für Roulade geschnitten)
ca. 50 gr. Estragonsenf
ca. 50 gr. Karotten
ca. 80 gr. Gelbe Rüben
ca. 50 gr. Speck
3 – 4 Essiggurken
100 ml Sonnenblumenöl
2 Stk. feinwürflig geschnittene Zwiebel
½ l Rindsuppe
Salz, Pfeffer

Zubereitung
1. Für die Rindsrouladen zunächst das Backrohr auf 180 °C vorheizen. Die Rindsschnitzel klopfen, pfeffern und ganz dünn mit Senf bestreichen. Karotten und Rüben schälen und ebenso wie die Gurken in etwa vier Millimeter dicke Streifen schneiden. Den Speck mit dem Gemüse auf die Rindschnitzel legen, einrollen und mit einem Spagat oder Zahnstocher fixieren.
2. In einer Pfanne Öl erhitzen und die Rouladen kurz von allen Seiten anbraten. Innen sollten sie jedoch rosa bleiben. Die Rouladen zur Seite legen, um die entstandenen Bratrückstände für die Sauce zu nutzen. Dazu die fein geschnittenen Zwiebeln in der Pfanne anrösten und, sobald sie Farbe nehmen, mit Mehl stauben, also das Mehl über die Zwiebeln streuen und kurz mitrösten. Sobald es Farbe annimmt, mit etwas Suppe aufgießen und kräftig rühren, damit keine Mehlklümpchen entstehen. Einmal aufkochen lassen, die Rindsrouladen wieder beigeben und zugedeckt bei mittlerer Hitze 30 bis 40 Minuten im Rohr dünsten lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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