Klima & Käfer: So rüstet sich der Forstwirt

Klima & Käfer: So rüstet sich der Forstwirt

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Wir trafen DI Günther Kuneth, Referatsleiter Forstwirtschaft Kärnten, zum Gespräch und informieren, wo die Herausforderungen der Forstwirte liegen und wie man damit umgeht.

Kuneth Günther © Krivograd Peter web
Interviewpartner: DI Günther Kuneth, Referatsleiter Forstwirtschaft Kärnten (Foto: Peter Krivograd)

 

 

 

Was hat der Klimawandel für Auswirkungen auf den heimischen Wald?
Vorweg muss man sagen, dass es einen Wandel des Klimas immer schon gegeben hat. Der Wald hat sich dem angepasst und entsprechend gewandelt. Hinzu kommt allerdings, dass durch Eingriffe des Menschen die Umwelt nachhaltig verändert wurde – und das nicht immer zum Besten. Derzeit sehen wir uns mit folgender Situation konfrontiert: steigende Temperaturen, länger andauernde Hitzeperioden, Trockenheit, zunehmende Gewitter- und Sturmintensität. Das alles schwächt den Baum. Die damit verbundene Auswirkung, die uns am meisten betrifft, ist die Borkenkäferplage.

Problem Borkenkäfer – wie sieht die Situation derzeit aus?
Wir haben das Problem nicht mehr nur in den Tieflagen, sondern nun auch schon in den höheren Lagen. In Kärnten ist das durch Borkenkäfer verursachte Schadholz-Niveau seit 2005 steigend. Im Vorjahr belief sich die Menge auf 330.000 Festmeter. Für heuer befürchten wir ein ähnlich schlechtes Ergebnis.

Welche Baumart ist vom Klimawandel und der Borkenkäferplage am meisten betroffen? Was wäre besser geeignet?
Mit der Fichte hat die Forstwirtschaft stets einen guten Deckungsbeitrag erzielt. Dies ist sozusagen unser „Brotbaum“ – und gerade dieser ist am meisten von den Veränderungen betroffen. Zudem ist die Fichte nicht gerade der ideale Baum für unsere heißer werdenden Tieflagen. Hier wären laubholzreiche Mischwälder besser geeignet. Denn die Fichte braucht einen Standort, bei dem sie gut mit Wasser versorgt ist.

Auf welche Baumarten soll der Forstwirt fortan setzen?
Idealerweise schafft man die Voraussetzungen für eine Naturverjüngung. Das bedeutet, der Baum pflanzt sich durch seine Samen selbst fort. Dadurch entsteht eine natürliche Vielfalt beim Baumbestand. Wird aufgeforstet, ist der Standort zu beachten: Welche Baumarten und Mischungen sind hier sinnvoll? So wäre es beispielsweise unlogisch im Tal eine Zirbe und auf der Höhe eine Eiche zu setzen. Ist mein Standort niederschlagsarm, dann kommen (Hain)Buche, Eiche, Linde und Douglasie besser damit zurecht.

Wo kann man sich hierbei Hilfe und Unterstützung holen?
Man kann sich im Internet unter waldbauberater.at oder bei der Landwirtschaftskammer Kärnten Unterstützung holen. Wir helfen hier gerne weiter.

Was sollte der Forstwirt in diesen Zeiten besonders beachten?
Das Ziel sollte ein standortgerechter Wald sein, der sich selbst verjüngt. Wo man auf Verjüngung setzt, müssen auch gezielte Pflegemaßnahmen betrieben werden, damit die Nischenbaumarten erhalten bleiben. Zudem sollte rechtzeitig durchforstet werden, damit der Baum stabiler wird und somit widerstandsfähiger gegen Schneebruch und Windwurf wird, was wiederum einen geringeren Borkenkäferbefall nach sich zieht. Außerhalb des Einflussbereiches des Forstwirtes, außer er ist selbst Jäger, liegt der Wildbestand. Doch dieser muss passen, damit Vielfalt gedeihen kann. Bei der Holzernte selbst ist auf eine „saubere Waldwirtschaft“ zu setzen.

Was verstehen Sie unter „sauberer Waldwirtschaft“?
Die Holzernte selbst sollte sauber und bestandsschonend durchgeführt werden. Das bedeutet, dass man kein brutfähiges Material für den Borkenkäfer im Wald hinterlässt. Idealerweise legt man Arbeiten mit schweren Geräten wie z. B. Harvester und Vorwarder in die Wintermonate. Viele Baumwurzeln verlaufen sehr flach in einer Tiefe von 10 bis 15 cm unter dem Boden. Ist der Boden zu weich, kommt es zu unsichtbaren Schäden, die in weiterer Folge die Borkenkäferpopulation begünstigen. Daher sollte auch nicht der gesamte Wald mit dem Traktor befahren werden. Idealerweise hält man sich an die Forstwege.

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